Wirtschaft & Entwicklung

Recruiting 2.0: Stellenanzeigen ade?

Kategorie: Wirtschaft & Entwicklung

Die Zeiten ändern sich: Jobs 1.0 Deko-Figürchen (c) Brigitta Möllermann

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Unternehmen müssen Werbung für sich machen

In seiner September-Sitzung im Plenarsaal der IHK in Gießen widmete sich der Arbeitskreis Personal dem Thema Recruiting 2.0. Mehr als 50 Teilnehmer waren der Einladung der IHK Gießen-Friedberg gefolgt, um über die Frage zu diskutieren, ob die gute alte Stellenanzeige ausgedient habe. Fachlichen Input gab Professor Dr. Wolfgang Jäger, Inhaber der Professur für Betriebswirtschaftslehre am Fachbereich Medienwirtschaft der Hochschule RheinMain, der schon gleich zu Beginn der Veranstaltung folgende Antwort auf die eingangs gestellte Frage präsentierte: "Vielleicht!

Seinen Vortrag läutete Professor Jäger mit der These ein, dass ein Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft im Gange sei. Eine wichtige Rolle spiele dabei natürlich das Internet. Auf seine Frage, wer der Anwesenden Mitglied beim Netzwerk Xing sei, meldeten sich 100 Prozent der Teilnehmer. „Deshalb“, so Jäger, „führt kein Weg daran vorbei, sich darauf einzustellen, dass die Zukunft elektronisch ist. Recruiting findet heute schon online statt.“ Immer wichtiger werde vor allen Dingen die Suche über bewegte Bilder. „90 Prozent aller Schülerpraktikanten suchen ihre Praktikumsstellen bereits über YouTube.“

„Ich werde den Tag noch erleben, an dem ein Unternehmen schließen muss. Nicht, weil es keine Aufträge mehr hat, sondern weil es an Arbeitskräften fehlt“, ist Professor Jäger sicher. Allein die persönliche Erkenntnis, ein guter Arbeitgeber zu sein, helfe nicht. Deshalb Jägers Mahnung: „Das müssen vor allem diejenigen wissen, die man sucht!“ Wichtig beim Kampf um die Talente sei daher, das Unternehmen auch als Arbeitgebermarke zu verkaufen. Hierfür lohne es sich durchaus einmal, etwas Geld in die Hand zu nehmen und beispielsweise ein Unternehmensvideo zu erstellen oder eine Homepage für die Nutzung mit mobilen Endgeräten zu optimieren.

Im Gepäck hatte Professor Jäger eine Bewerberumfrage, die eine besonders interessante Erkenntnis zu den wichtigsten Attraktivitätsfaktoren einer Stelle mit sich brachte: Der Unternehmensstandort kommt gleich nach dem Gehalt. Gerade für Unternehmen in weniger bekannten Landstrichen bedeutet dies, dass Bewerber auch ausdrücklich auf die Vorteile des Standorts hingewiesen werden müssen. Hierzu zählen beispielsweise niedrigere Immobilienpreise, gute ärztliche Versorgung, vernünftiges Bildungsangebot oder die Nähe zu Flughafen und Autobahn.

„Attraktivität der Stelle, des Standorts und des Arbeitgebers bilden ein ‚Dramadreieck‘“, erklärte Professor Jäger. Meistens erfülle ein Arbeitgeber nur zwei der drei Faktoren. Konsequenz hieraus sei jedoch, dass die Kriterien, die ein Unternehmen bereits verwirkliche umso intensiver beworben und herausgestellt werden müssten.

Nach dem Vortrag von Professor Jäger hatten die Mitglieder des Arbeitskreises die Möglichkeit, sich in kleinen Gruppen gegenseitig über bereits durchgeführte oder geplante Recruitingmaßnahmen zu informieren und dabei neue Kontakte zu knüpfen oder alte Kontakte zu pflegen.

Im Arbeitskreis Personal bietet die IHK Gießen-Friedberg Fachvorträge zu speziell ausgesuchten Personalthemen. Den Teilnehmern wird damit die Möglichkeit gegeben, aktuelle Trends und Tendenzen im Personalmanagement durch einen intensiven Erfahrungs- und Informationsaustausch frühzeitig zu erkennen. Ziel ist, ein effektives Netzwerk aus Praktikern aufzubauen, in dem alltägliche Fragen diskutiert und gemeinsam gelöst werden können.

Interessierte Personaler können sich bei der IHK Gießen-Friedberg, Ansprechpartner Sybille Block, Tel.: 0641/7954-4025, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! melden.

Quelle Text: IHK Gießen-Friedberg