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Land & Leute

Es war einmal: Die beste Wurst Oberhessens kam aus dem Vogelsberg

Die erfolgreiche Geschichte der Schottener Wintermetzger hängt mit der Qualität ihrer Ware zusammen

Eine der Erwerbsquellen der Bewohner im Vogelsberg war früher die Viehzucht. Man sagt, am Ende des Sommers wurde von ihren Nutztieren geschlachtet, was nicht in die Ställe passte oder was man in der kalten Jahreszeit nicht mit durchfüttern konnte. Dabei war das Fleisch ihrer Bergrinder, die den ganzen Sommer draußen geweidet, Maschinen zur Feldbestellung oder auch Wagen bei der Ernte gezogen hatten, besonders schmackhaft. 

Außerdem lieferten die einfarbigen braunroten Tiere Milch, Fleisch und Leder "bester Beschaffenheit". Und sie wiesen besonders gute Eigenschaften auf, wie Vitalität, hohe Fruchtbarkeit, geringe Geburtsschwierigkeiten, stabile Konstitution und Langlebigkeit.

Im Kirchenbuch von 1650 ist die Zunft der Metzger in Schotten erstmals erwähnt. Genannt wurde Johann Konrad Kromm. Im Jahr 1775 verzeichneten die Kirchenbücher bereits 61 Metzger der Familien Kromm, Pröscher, Rühl, Schlörb und Spamer. Richtig bekannt wurden die so genannten "Wintermetzger" jedoch Ende des 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit galt Schotten als Zentrum der oberhessischen Dauerwursterzeugung. Auf der Wiener Weltausstellung 1873 und auf der Pariser Weltausstellung 1867 wurden die Erzeugnisse der Schottener Metzger sogar mit Verdienstmedaillen prämiert.

Landwirtschaftslehrer E. L. Leithiger aus Alsfeld machte sich in einem Büchlein "Das Vogelsberger Rind und seine Zucht" 1895 die Mühe, das Zuchtgebiet der Tiere zu umreißen. Es umfasste große Teile des heutigen Landkreises Vogelsberg - damals Oberhessen. Selbst nachlesen - download: HIER <-KLICK.

Um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert gab es noch 25 Wintermetzger. Sie verkauften ihre Produkte bis nach Frankfurt, Darmstadt und sogar Köln. Einzelne Männer wurden durch Fleiß und Sparsamkeit sehr reich. Johann Heinrich Rühl aus der Marktstraße, genannt „Napoleon“, besaß 1911 nachweislich ein Barvermögen von 100.000 Mark. Leider wurde sein Geld nicht in Immobilien oder ähnlichem angelegt. So musste er - wie die anderen auch - erleben, dass es im Laufe der Jahre seinen Wert verlor. Man erzählt sich, keiner der vorher so wohlhabenden Metzger wäre reich gestorben.


Gut zu wissen

Rotes Vogelsberger Höhenrind (c) Brigitta Möllermann

Rotes Vogelsberger Höhenrind (c) Brigitta Möllermann

Das seltene rote Vogelsberger Höhenvieh, eine robuste und vitale Rinderrasse, die nun wieder auf ausgesuchten Weiden im Vogelsberg grast, war bis vor kurzem fast ausgestorben. Die genügsame Rasse hat man nicht nur zur Landschaftspflege wiederentdeckt. Man bemüht sich, einen zweifachen Beitrag zum Agrar-Kulturerbe zu leisten. Durch die historisch überlieferte Beweidungsart soll die charakteristische Vegetation an manchen Stellen regeneriert werden. Gleichzeitig beabsichtigt man, den Bestand dieser vom Aussterben bedrohten Vogelsberger Haustierrasse zu sichern.

Auf dem Rudloser Hofgut im Lauterbacher Stadtteil Rudlos (Hohwaldstraße 2 in 36341 Lauterbach-Rudlos) zieht Gutsbesitzer Hubertus Freiherr von Schnurbein artgerecht und umweltschonend Nutztiere auf. Bei ihm bekommt man frische Eier, Hausmacher Wurst, Lamm und Schweinefleisch, Gänse zu Weihnachten and the Best: Rotes Höhenvieh nicht nur als Braten sondern sogar lebend. Mehr dazu: HIER <-KLICK.

Der Hofladen ist übrigens immer freitags von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Es kann aber auch bestellt werden - zum Beispiel Rindfleisch in Kilopaketen.

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2018 Vogelsberg