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Elfen und Waldgeister: Die Unsichtbaren im Vogelsberg

Kategorie: Land & Leute
Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 26. November 2014 16:47
Geschrieben von Brigitta Möllermann
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Wanderreiter Joachim mit seinem Pferd Röslein (c) Joachim Elbing

Wanderreiter Joachim mit seinem Pferd Röslein (c) Joachim Elbing

Joachim Elbing, passionierter Wanderreiter aus dem Gießener Teil des Vogelsberges, berichtet uns von unsichtbaren Trollen und Elfen, die in Felsblöcken und an heimlichen Stellen unseres Waldes wohnen. Es sind heilige Orte rund um die Vulkanschlote, an denen es auch durch das vorhandene Eisengestein messbare Abweichungen im Magnetfeld gibt.

Joachims Pferd Röslein arbeitet als gut ausgebildetes und erfahrenes Wanderreitpferd im Gelände völlig selbstständig, und wenn es ausweicht, die Wegseite wechselt, freundlich bis demütig grüßt, als käme ihnen etwa die Leitstute der Herde entgegen, er aber nichts sieht, dann können das ja nur Unsichtbare sein. So erklärt er das jedenfalls Reitgästen aus der Großstadt, die sich ins Vogelsgebirge verirren. "Sollen ja was lernen vom Berittführer", meint er.

In Island sind die Unsichtbaren ein normaler Teil des Alltags

Er weiß: Wenn man in Island einen Bauantrag stellt, wird der wie bei uns von den Behörden geprüft. Dazu gehört immer auch der "Elfen-Beauftragte", der sich u. a. bei einer Straße die geplante Route ansieht, ob dort Unsichtbare wohnen. Ist dies der Fall, wird sie um die entsprechenden Felsen herum gebaut. Es wurden auch schon Felsen neben die Trasse versetzt, dann wurde allerdings als Entschädigung für die Störung extra ein kleines Gärtchen angelegt. Das spart sogar Baukosten. Denn, wenn die Unsichtbaren ärgerlich werden, dann gehen Baumaschinen kaputt, es passieren Unglücke auf der Baustelle, Werkzeug verschwindet und dergleichen.

Wie ein Baumgeist (c) Joachim Elbing

Wie ein Baumgeist (c) Joachim Elbing

Es wäre kein heidnischer Schnickschnack, sondern von Gott gewollt, erzählt er: Als die Menschen noch im Paradies lebten, kam der liebe Gott eines Tages zu Besuch, um nach ihnen zu sehen. Einige Kinder von Adam und Eva hatten im Dreck gespielt und sich nicht gewaschen, das war Eva peinlich! Sie versteckte die ungewaschenen Kinder vor Gott, der das natürlich durchschaute und sich darüber ärgerte. Er sprach: "Was ihr vor mir versteckt habt, das soll auch vor den Menschen verborgen sein!"

Joachim sagt: Es ist übrigens die falsche Frage, ob jemand an die Unsichtbaren glaubt oder nicht. Das ist, so hat es der Elfenbeauftragte von Reykjavik einmal anschaulich erklärt, keine Glaubensfrage, sondern von der Empfindsamkeit der Betreffenden abhängig. Wer sensibel genug ist, spürt ihre Anwesenheit, Unsensible dagegen nicht.

Am Wochenende waren Joachim und Röslein auf der Herchenhainer Höhe

Dort findet man, wenn man weiß, wo man suchen muss, eine Felsformation, die heißt "Bonifatiuskanzel". Bonifatius war der Missionar des Vogelsberges, nur einen Kilometer von hier liegt der Bonifatiusbrunnen, wo er getauft hat. Der nahe Berg heißt bis heute natürlich "Taufstein", die höchste Erhebung des Vogelsberges.

Felsengesicht an der Bonifatiuskanzel (c) Joachim Elbing

Felsengesicht an der Bonifatiuskanzel (c) Joachim Elbing

Die Basaltfelsen im Wald sind vulkanischen Ursprungs und traditionell Wohnorte des unsichtbaren Volkes. Sie haben ihre Gärtchen schon schön bepflanzt, heuer mit Märzenbechern, viele kleine Pforten führen in die Unterwelt. Markante Steinwälle, wahrscheinlich Überreste keltischer Mauern, verbinden die Bonifatiuskanzel mit dem "Felsgesicht".

Der dichte Moosbewuchs ist nicht nur der liebevollen Gartenpflege durch die Unsichtbaren zu verdanken, sondern auch der Tatsache, dass wir uns hier im regenreichsten Gebiet Deutschlands befinden, mit etwa 2000 mm Jahresniederschlag, wie in Westirland etwa, und so sieht es im Wald auch aus.

Obwohl viele Wanderzeichen die Bäume zieren, trifft man hier oben gewöhnlich keine Menschenseele. Nur der Wind treibt leise Nebelschwaden in den Wald, ein feiner Sprühnebel befeuchtet die Moospolster, die Bäume knarren ab und zu leise im Wind.

Ganz geheuer ist es nicht. Aber vor den Unsichtbaren (die das Röslein sieht!) braucht man keine Angst zu haben. Sie sind Geschöpfe Gottes wie wir, nur den Augen der Menschen verborgen.

Quelle: Joachim Elbing und seine Bilder dazu: HIER <-KLICK