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Land & Leute

Bräuche zu Weihnachten und zum Jahreswechsel

Geschmückter Weihnachtsbaum (c) Brigitta Möllermann

Geschmückter Weihnachtsbaum (c) Brigitta Möllermann

Die Vogelsberger pflegen die Tradition des Feiern in der "Langen Nacht" vor Heiligabend. Schon immer durften auch früher schon die jungen Leute dann richtig "Party" machen. Wenn sie am Morgen danach vom Tanzen nach Hause kamen, gab es als Muntermacher Kaffee und Spiegeleier und grundsätzlich eine Standpauke von der Mutter.

Das "Turmsingen" und "Christkindwiegen" findet heute noch am Heiligabend statt. Dabei wird die Weihnachtsbotschaft vom Turm der Stadtkirche verkündet. In Alsfeld und in Lauterbach zum Beispiel steigen abends nach dem Gottesdienst Sänger und Posaunenbläser auf den Turm hinauf und bringen verschiedene Weihnachtslieder von oben herunter zu Gehör. Dazu schwenkt man bunt erleuchtete Petroleumlampen, und die Leute unten auf dem Platz lauschen ergriffen.

Mehr darüber: HIER <-KLICK.

Als nächstes ist noch das Stadtgeläute der Kirchen zu erwähnen -> ca. fünf Minuten reinhören: HIER <-KLICK.

Für den "Lebendigen Adventskalender" vom 1. bis zum 24. Dezember triftt man sich abends gegen 19 Uhr jeweils eine halbe Stunde lang in Ober-Breidenbach und Storndorf vor einem Gastgeberhaus im Ort, um zusammen zu singen und beten. Zudem wird die eine oder andere Geschichte vorgetragen und dabei verzehrt, was die Gastgeber anbieten. Zahlen an den Fenstern zeigen die Reihenfolge der Gastgeber an. Veranstalter sind evangelischen Kirchengemeinden Ober-Breidenbach und Storndorf sowie der Kulturverein Storndorf, die am Ende zum Gottesdienst am Heiligen Abend einladen.

Gleich um die Ecke bei den Nachbarn im Gießener Teil des Vogelsberges, im Grünberger Stadtteil Klein-Eichen, den Laubacher Ortsteilen Freienseen und Altenhain, stimmen die Musiker des Posaunenchores Unterer Vogelsberg beim öffentlichen Kurrendeblasen am Heiligabend die Einwohner auf Weihnachten ein. Bei den Kurrenden ((lat: currere = laufen) ziehen seit Luthers Zeiten Sänger oder wie hier ein Chor in der Adventszeit von Haus zu Haus oder sie treten bei besonderen Anlässen in Kirchen sowie an ungewöhnlichen Orten auf.

Zwischen den Jahren, in der Regel am 27. Dezember, gehen in manchen Gemeinden junge Leute mit einem als Strohbär verkleideten jungen Mann auf einem "Heische-Gang" <-KLICK durchs Dorf, um Flüssiges, Bares sowie Essbares zu sammeln, wie zum Beispiel in Freiensteinau Ober-Moos, Gunzenau sowie in Engelrod und Lautertal-Eichelhain beim "Schimmel". Zum Schluss machen die Mitwirkenden, die geholfen haben, die bösen Geister aus dem Ort erfolgreich zu vertreiben, eine fröhliche Party mit den Spenden.


Eine weitere Tradition ist das beliebte Silvesterwürfeln im Vogelsberg um Naturalien. Dabei finden sich Groß und Klein am letzten Tag des Jahres ab mittags in den örtlichen Gaststätten, Dorfgemeinschaftshäusern oder Vereinsheimen ein.

Ein paar Stunden lang rollen dann drei Würfel über den Tisch bei einem Einsatz zwischen ca. 50 Cent und wenigen Euro. Und zwar entweder so lange, bis zwei davon die gleiche "Augenzahl" zeigen oder nur drei Mal - je nachdem, wie die lokale Regel lautet. Die höchste Zahl aber gewinnt am Ende auf jeden Fall den Preis: Würstchen, Sekt, Brezeln oder Kuchen, Glücksschweine aus Marzipan sowie Essensgutscheine.

Und an Neujahr lädt man zum Gottesdienst mit "Engelziehen" nach 36399 Freiensteinau in die Evangelische Kirche Nieder-Moos in der Kirchstraße: Am 1. Januar 2018 von 14 bis 15 Uhr. Was dabei geschieht, haben wir leider nicht herausbekommen können... So ist es halt manchmal im Vogelsberg ;-)


In der Regel dauert die Weihnachtszeit bei den Christen dreizehn Tage - vom ersten Weihnachtsfeiertag, dem 25. Dezember, bis zum 6. Januar, dem Tag der Heiligen Drei Könige. Oben im Norden - in Schweden, Norwegen und Finnland - endet sie jedoch erst nach zwanzig Tagen am 13. Januar am St. Knuts Tag.

Bis zu diesem Zeitpunkt bieten die Jugendfeuerwehren in verschiedenen Orten im Vogelsberg an, ausgediente Weihnachtsbäume gegen eine Spende einzusammeln. Diese werden - jedoch ohne Lametta - auf einen Haufen geschichtet und bei nächster Gelegenheit in fröhlicher Runde verbrannt. (Allerdings nicht, ohne die Bevölkerung dazu einzuladen und Trinkbares sowie Gegrilltes anzubieten :-)

Entsprechende Termine finden Sie in unserem Veranstaltungskalender <-KLICK.


Nachtrag

Ganz von alleine - ohne Weisung "von oben" und / oder entsprechende Fördergelder - sorgen Vogelsberger Dorfgemeinschaften für ein wohliges Zusammengehörigkeitsgefühl in der Weihnachtszeit. Man trifft sich nicht nur beim Weihnachtsmarkt zum Glühweintrinken, sondern zum lange vorher geprobten Krippenspiel oder gemeinschaftlichen Christbaumschmücken. Daneben werden außer im Sommer auch so genannte Grenzgänge entlang des Ortes veranstaltet oder alle wandern hinaus in den Wald, um den Tieren Futter zu bringen.

Hin und wieder kommt ein Reporter der Lokalzeitung vorbei, verdient sich ein bisschen Geld - macht ein Foto und schreibt ein paar Zeilen.

So erfahren wir manchmal davon:

  • "In Schadges stellen die Einwohner Adventskränze im Dorf auf / Gemeinsames Warten auf das Christkind" von Erich Stock: HIER <-KLICK
  • "Eine 'Party für Jesus' feiern die Kinder beim Krippenspiel in Ermenrod" (Feldatal) von Herbert Schott: HIER <-KLICK
  • "In Feldkrücken führen Erwachsene ein Krippenspiel für Erwachsene vor" von Dieter Graulich: HIER <-KLICK
  • "Dank für die Organisation beim Christkindwiegen in Alsfeld" von G. Krämer: HIER <-KLICK
2018 Vogelsberg