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Kultur & Bildung

Projekt für den Praxis-Einstieg in der Pflegeausbildung

Schülergruppe bei der Dienstbesprechung auf Station (c) Privat / kiri

Schülergruppe bei der Dienstbesprechung auf Station (c) Privat / kiri

In der Krankenpflegeschule des Vogelsbergkreises gibt es seit 20 Jahren das Projekt „Schüler leiten Schüler“

Es hat inzwischen Tradition: Die Schüler der Examensklasse der Krankenpflegeschule des Vogelsbergkreises haben „Patenkinder“ – die „Neulinge“ aus dem jüngsten Ausbildungsjahrgang. Nach der ersten Theoriephase in der Schule nehmen die „Paten“ ihre „Kinder“ an die Hand und führen sie in die Praxis der Krankenhäuser ein. So geschehen auch dieses Jahr.

Seit 20 Jahren schon lernen die Examensschüler die Schüler der Ausbildungsklasse an, wenn es nach einer mehrwöchigen Theoriephase in die Praxis geht: Wie wasche ich Patienten, wie messe ich richtig Blutdruck oder wie werden die Betten gemacht? Tätigkeiten, die ab dem ersten Tag auf den Stationen auch von den neuen Krankenpflegeschülern souverän erledigt werden müssen. Die Examensschüler, die im kommenden Sommer ihren Abschluss machen, machen daraus zwei Projekttage. Hier ein Bericht aus ihrer Sicht:

Der erste Praxistag begann schon in der Früh. Es war 6:40 Uhr. Die Schüler des Examenskurses der Krankenpflegeschule des Vogelsbergkreises trafen sich in ihren jeweiligen Ausbildungsbetrieben, dem Kreiskrankenhaus Alsfeld und dem Eichhof Krankenhaus in Lauterbach, um die neuen Schüler zu empfangen und auf ihre Stationen zu bringen. An diesem Tag erlebten die neuen Schüler zum ersten Mal in ihrer Ausbildung das Krankenhaus.

Einige waren aufgeregt und tauschten nervöse Blicke. Nachdem alle vollzählig waren, ging es mit den Examensschülern die Umkleidekabinen und im Anschluss erfolgte ein Gruppenfoto in Weiß im Foyer der beiden Krankenhäuser. Nun ging jeder neue Schüler mit seinem Paten auf die Station, auf der der erste Praxiseinsatz stattfinden würde.
Dort wurde erst einmal die Station gezeigt und bei dieser Gelegenheit stellten sich die Neuen dem diensthabenden Personal vor. Danach folgte eine Besprechung über den Tagesablauf mit den Unterkursschülern.

Nun wurde es „ernst“. Die Schüler erhielten eine Übergabe über den Patienten, der versorgt werden sollte, damit sie sich diesen besser vorstellen konnten. Als dies alles erledigt war, ging es zum Patienten.

Einige Auszubildende waren etwas zögerlich, andere eher offen. Man erkannte hierbei gut, wer schon einmal ein längeres Praktikum im Krankenhaus oder Altenheim abgeleistet hatte.

Bei den Patienten ging es dann mit der Vitalzeichenkontrolle los, wobei die Schüler ihr vorhandenes Wissen unter den kritischen aber anerkennenden Blicken ihrer Paten noch einmal üben konnten. Danach folgte eine Ganzkörperwaschung. Bei Fragen oder benötigter Hilfe konnte sie sich immer vertrauensvoll an seinen Paten wenden.

Um 9:00 Uhr versammelten sich die Lauterbacher sowie die Alsfelder Schüler in der jeweiligen Cafeteria ihres Krankenhauses, um gemeinsam zu frühstücken. Hierbei bekam man immer wieder aufgeregte Gespräche mit, was die neuen Schüler schon alles erledigt oder gesehen hatten. Jeder hatte etwas zu erzählen.

Im Anschluss wurde mit den neuen Schülern ein Rundgang durch das Krankenhaus gemacht. Es wurde über jede Station gegangen, besonders eindrucksvoll waren Intensivstation und Aufwachraum. Hier konnten die Schüler einen beatmeten Patienten sehen und die Funktion des Aufwachraums wurde ihnen erklärt. Dies fand viel Anklang beim Unterkurs, da die meisten so etwas noch nie gesehen hatten. Andere bekamen die Prosektur mit Sektionsraum gezeigt und erklärt. Einigen war etwas mulmig zumute, andere wiederum freuten sich bereits auf die seltene Gelegenheit, wenn sie mal bei einer Obduktion im Laufe ihrer Ausbildung zuschauen können.

Im Anschluss an die Hausführung ging jeder wieder mit seinem Paten auf die Station, wo noch weitere kleine grundpflegerische Tätigkeiten durchgeführt wurden. Dazu zählten zum Beispiel Mund- und Zahnpflege, Haarwäsche, Dusche, Vitalzeichenkontrolle zu vertiefen oder auch eine Patientenaufnahme mit dem Anamnesebogen durchzuführen.

Von halb 12 und 12 Uhr mittags halfen alle mit, das Mittagessen an die Patienten zu verteilen. Dabei konnte man sich auch verschiedene Kostformen anschauen.

Um 12:30 Uhr kam langsam das Ende des 1. Tages. Die Stationen, sowie die Unterkursschüler erhielten eine Rückmeldung. Gegen 12:45 Uhr war der erste Praxistag dann zu Ende. In der Theorie ging es jedoch weiter: Im Klassenverband wurde gemeinsam mit den Lehrern, die den ganzen Tag mit dabei waren, reflektiert.

Der zweite Tag der praktischen Ausbildung begann bereits um viertel vor sechs, um sich vor Dienstbeginn umzuziehen, damit pünktlich um sechs Uhr an der Dienstübergabe teilgenommen werden konnte.

Einige übten noch einmal intensiv die Vitalzeichenkontrolle, andere legten ihr Hauptaugenmerk auf die Ganzkörperwaschung, ganz an die Bedürfnisse der jeweiligen Unterkursschüler angepasst. Es wurden die Tätigkeiten des Vortags wiederholt.

Im Anschluss an die gemeinsame Pause, unternahm man Botengänge für die jeweilige Station oder konnte Patienten zu Untersuchungen begleiten. Die Schüler des Unterkurses durften ihren Paten bei weiteren Tätigkeiten, wie Injektionen, Verbandswechsel und Inhalationen zuschauen und konnten bei der Gelegenheit Fragen stellen. Ebenso wurde das richten von Medikamenten oder Infusionen gezeigt. So konnten die Schüler einen kleinen Eindruck gewinnen, was noch alles im Verlaufe der Ausbildung erlernt werden kann.

Zur Mittagszeit wurde der Tag auf Station beendet. Die Station bekam erneut eine Übergabe. Ebenso erhielten die neuen Schüler eine individuelle Rückmeldung von ihren Paten. Nachmittags dann wieder eine Reflektion: Das Ergebnis: Das Projekt „Schüler leiten Schüler“ kam erneut gut an und wird auch künftig weiter so stattfinden.

Quelle: Anja Kierblewski

2018 Vogelsberg