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Kultur & Bildung

Ein besonderer Nachmittag

Ausstellungseröffnung in der Schmuckschule (c) Bodo Runte

Ausstellungseröffnung in der Schmuckschule (c) Bodo Runte

Drei unter einem Dach: Unter diesem Motto wurde Anfang November 2016 in den Räumen von Victoria Wittek in der Schmuckschule in Rainrod eine Ausstellung mit Arbeiten von Bodo Runte, Meta Perschel und Ursel Arndt eröffnet. Die Mehrzahl der Stücke bezieht sich auf den Maler Egon Schiele, dessen Leben und Werk sich auf unterschiedliche Weise in den Projekten widerspiegelt. Es waren aber auch historische Zitate aus dem 12. Jahrhundert in den gestickten Arbeiten von Ursel Arndt zu bestaunen.

Die charmante Gastgeberin begrüßte die zum Teil von weither angereisten Besucher mit der Erklärung des Ausstellungsmottos: Drei unter einem Dach. Alle drei Künstler - Ursel Arndt, Meta Perschel und Bodo Runte - wohnten einst im selben Haus in Alsfeld, und zwar im Burggässchen 2. Sie nutzten dieselbe Küche, dasselbe Bad und auch das Wohnzimmer des Hauses war allen Künstlern vertraut. Jedoch niemals zur selben Zeit.

Ein hervorragender Umstand, diese drei Künstler wieder einmal unter einem Dach zu vereinen. Bei der Planung war dann auch schnell eine Gemeinsamkeit gefunden: Das Schiele Projekt. Und scheinbar zufällig fügte sich darüber hinaus das künstlerische Tagebuch der Goldschmiedin Victoria Wittek kongenial in das Gesamtkonzept ein. In ihren kleinen Miniaturen aus edlen Metallen ist eine unverkennbare Nähe zu Schieles Formensprache zu erkennen.

An diesem Nachmittag konnten die zahlreichen interessierten Besucher Werke von sehr unterschiedlichen Künstlern gewundern, erhielten eine spannende und originelle Einführung in die facettenreiche Arbeit von Ursel Arndt, und Bodo Runte erläuterte seine Fotos. Diese gestatteten den Gästen einen fotografischen Spaziergang durch Cesky Krumlov und sensibilisierten den Betrachter für den Zeitgeist der Stadt, in der Egon Schiele früher gewirkt und zeitweise gelebt hat. Während seines Aufenthaltes hatte der Künstler rund 140 Ansichten von der Stadt und der Umgebung gemalt und gezeichnet.

„Unrettbares ich in Alsfeld“ wurden von Meta Perschel ihre Arbeiten benannt. So zitiert sie in ihren akribisch ausgeführten Alsfeldzeichnungen Schieles dramatische Figuren. Sie platziert seine fragilen Gestalten in die Stadt mitten unter ihre Bürger und Bürgerinnen und irritiert damit den Blick des Betrachters.

Im „Wiener Kaffee“ im Erdgeschoss bekamen die Gäste dann Donauwelle, einen kleinen Braunen, Likör und Mozartkugeln serviert. Auf den Tischen fuhren kleine Eisenbahnen - ein Komplettpaket Wiener Nostalgie.

Draußen wurde es schon dämmrig, als Meta Perschel von Schieles Aufenthalten in Krumau erzählte, den ihm die Bürger - gefangen in Traditionen des Sehens und Unverständnis - gründlich verleidet haben. Mit ausgewählter Musik dieser Zeit, etwa von Lili Boulanger, Alban Berg und Arnold Schönberg, ließ Walter Windisch-Laube dann musikalisch die Zeit vom 19. zum 20. Jahrhundert auferstehen.

Meta Perschel wies auf Parallelen zwischen Schiele in Krumau und den „Stadtzeichnern“ der achtziger Jahre in Alsfeld hin. In Krumau und Alsfeld hätte die Öffnung zur Modernem nicht lange angehalten, es habe aber in beiden Städtchen wesentliche Eindrücke auf die Jugend hinterlassen und ihnen Mut zu alternativen Berufs- und Lebensentwürfen gemacht. Am Ende zeigten sich die Besucher begeistert über die gelungene Eröffnung der Ausstellung.

Die nächsten Veranstaltung in diesem Rahmen finden statt am:

  • Samstag 3. Dezember, 11:00 Uhr – 16:00 Uhr - Workshop mit Ursel Arndt: Filetstickerei
  • Sonntag 11. Dezember, 15:00 Uhr - Finissage mit Filmvorführung: Karuszel Gebirgskulturen e.V. zeigt den Film „Traumstadt“. 1973 hat der deutsche Filmmacher Johannes Schaaf den Film in Ceský Krumlov gedreht. Er ist die Verfilmung eines kaum bekannten, fantastischen Romans von Alfred Kubin, der 1909 unter dem Titel „Die andere Seite“ erschien. Bei dem Film handelt es sich um ein außergewöhnliches Werk der deutschen Filmgeschichte.

Die Galerieräume und die Ausstellung in der Schmuckschule, Schulstraße 31 in 36318 Schwalmtal-Rainrod sind samstags und sonntags von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet, sowie nach Vereinbarung. Nähere Information gibt es unter der Telefonnummer: 06638/ 918931.

Quelle: Bodo Runte

2018 Vogelsberg